Tschirma

Geschichtliches:

Am östlichen Hang der Wasserscheide zwischen Weida und Elster entstand bereits als frühslawische Siedlung Tschirma. Ehemals umgaben dichte Wälder den Ort, Schluchten bedrohten den unachtsamen Fußgänger. Die Elster wandte sich an steilen Hängen hin und trieb eine Reihe einsam gelegener Mühlen an. Es ist also kein Wunder, dass zahlreiche Sagen die Geschichte von Tschirma und der eingepfarrten Dörfer Altgernsdorf, Neugernsdorf und Wildetaube und der Anwesen Neuschenke, Lehnamühle und Eulamühle umspinnen. Diese berichten davon, dass die holden Wassernixen aus dem Elstergrund zur Kirchweih, zum Gottesdienst und zum Tanz kamen. Auch sollten der Graue und noch so mancher andere Spuk umgehen. Selbst über den Kirchenbau weiß die Sage etwas zu berichten: Die alte Kirche war zu klein geworden, nun sollte das später entstandene, größere Bauerndorf Neugernsdorf Standort der neuen Kirche sein. Aber die Bauleute konnten, sooft sie wollten, das Baumaterial an den vorgesehenen Bauplatz bringen - am nächsten Morgen lagerte es, von geisterhaften weißen Pferden über Nacht transportiert, in Tschirma. Also blieb Tschirma der Standort auch der neuen Kirche. Vielleicht will die Sage erklären, warum nicht das größere und reichere Neugernsdorf, sondern das ältere Tschirma Kirch- und Pfarrort blieb.

Anfangs unterstand die Kirche dem ehemals für die Geschichte des Reußenlandes bedeutsamen Praemonstratenserkloster Mildenfurth und war wohl dessen südliche Missionsstation; aber im Jahr 1432 war Tschirma bereits selbständige Pfarrei. Pfarre, Kirche und Friedhof lassen noch heute etwas vom Hauch verflossener Zeiten spüren. Ein kurzer Seitenweg führt von der Dorfstraße an der alten Kirchschule vorbei zum Pfarrhof, bewacht von einer alten mächtigen Eiche, bewahrt von einem noch älteren ummauerten Tor. Betritt der Besucher den Hof, kommt er aus der Gegenwart in die Vergangenheit, deren Zeugen in Anlage und Bauteilen noch allenthalben gegenwärtig sind. Das Pfarrarchiv ist das älteste und reichhaltigste im Greizer Land. Eine kleine Pforte führt zum Gottesacker, in dessen Mitte die alte Kirche steht, mit viel Liebe, Können und Opfer restauriert und wie die Filialkirchen Nitschareuth und Kühdorf das Schmuckstück des Dorfes.

Die Kirche:

                                                                  

Einst auf klösterlichem Grundeigentum begründet, weist die Kirche noch wesentliche romanische Bauteile auf: Das Chorrechteck mit schmalerer Halbkreisapsis und die beiden den Chorteil abschließenden Rundbogen auf Pfeilern mit Kämpfern.

Das kleine Rundbogenfenster an der Ostseite der Apsis und der auf dem Chorrechteck aufsteigende Turm in seinem massiven Mittelbau mit schartenartigen schmalen Fenstern stammen noch aus dem frühen 13. Jahrhundert.

Der achteckige beschieferte Oberbau mit barocker Schweifkuppel, offener Laterne, Kuppelchen mit Helmspitze wurde im 18. Jahrhundert aufgesetzt. Der westliche Fachwerkvorbau mit Eingang und die gesamte Innenausstattung sind dem 17. und 18. Jahrhundert zuzurechnen.

                 

Eine Holzbalkendecke überzieht das Langhaus. Runde, spiralige Stützen tragen die zwei Emporen, deren Felder zum teil biblische Szenen in schlichter Malerei zeigen.

                                

Von besonderem Reiz ist die Holzdecke im Chorrechteck, die im Jahr 1708 als Spiegelgewölbe eingebaut wurde und in ihrer Mitte das Reußische Wappen im Relief trägt.

Die aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stammende Kanzel an der Südseite des Triumphbogens zeigt

 spätbarocke reiche Gliederung in den fünf durch korinthische Pilaster getrennten undmit Blumengehängen umrahmten Füllungen. Die Kanzelkonsole wird von einem Engel gestützt, mit mehreren Engeln ist der Schalldeckel staffiert.

 

Die Tschirmaer Kirche weist zahlreiche alte Kunstwerke auf. Im Jahre 1836 stiftete ein aus dem Dorf stammender Künstler der Meißener Porzellanmanufaktur Kruzifix, Leuchter und Vasen aus Meißener Porzellan. Es handelt sich um wertvolle, durch ihre Schlichtheit ausgezeichnete Erzeugnisse. Eine Kostbarkeit ist der gotische vergoldete Abendmahlskelch mit reichen Schmuckelementen, unter denen auch romanische Bestandteile sichtbar sind.

Im Verlauf der Renovierung von 1967 erhielt der gut erhaltene Mittelschrein eines spätgotischen Flügelaltars seinen Platz als Altaraufsatz zurück. Das wertvolle Schnitzwerk eines vogtländischen Meisters zeigt den heiligen Georg als Schutzpatron, Anna selbdritt, Maria mit dem Jesuskind und den heiligen Laurentius. Ein bandartiger Baldachin bekrönt die gut gebildeten Figuren. Pfarrer und Gemeinde können stolz auf die Erneuerung ihrer Kirche sein. Die wiederhergestellte hellmarmorierte Farbgebung und eine neue Taufe runden den Eindruck eines Gotteshauses ab, das in uraltem Mauerwerk mit Würde und Schönheit Zeugnisse gläubiger Verehrung vieler Generationen birgt. Das Wertvollste aber ist: diese Kirche ist kein Museum, in ihr findet eine glaubensfeste Gemeinde von heute ihre Heimstatt.

 

 

Nach:  P. Heller / G. Herz / H. Warmuth:Kirchen im Greizer Land“, Evangelische Verlagsanstalt Berlin